Frieder

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Warum ist das Rad für Dich eine Alternative zum Auto? 
Da gibt es viele Gründe finde ich. Erstmal ist es um ein Vielfaches weniger raumeinnehmend, es ist leise und es ist ein Fitness-Programm quasi nebenbei. Als ich studiert habe, bin ich jeden Tag insgesamt 40 Min. mit dem Rad zur Uni gefahren. Das ist quasi jeden Tag ein Sportkurs, ohne das ich es als solchen wahrgenommen habe.

Als ich fertig war mit dem Studium, habe ich direkt ein paar Kilo zugenommen. Aber es ist nicht nur gut für die eigene Gesundheit, sondern durch die emissionsfreie Fortbewegung natürlich auch rücksichtsvoll gegenüber der Umwelt und der Gesundheit aller anderen. Außerdem macht es – jedenfalls bei gutem Wetter – sehr viel Spaß. Und dann haben wir noch gar nicht darüber gesprochen, wieviel günstiger es im Vergleich zum Auto ist.

Wie oft in der Woche fährst du Rad und wohin?

Im Moment bin ich eher ein „Sonntagsfahrer“. Da mein Arbeitsweg sehr kurz ist – nämlich 2 Min zu Fuß – und auch sonst das meiste für mich gut zu Fuß zu erreichen ist, nutze ich das Fahrrad meistens nur in der Freizeit für Ausflüge im Umland oder für längere Strecken innerhalb der Stadt.

Ich habe mir letztes Jahr im Radkombinat in Lüneburg ein Fahrrad aufbauen lassen, bzw. selber mit aufgebaut. Deren Konzept sich Fahrräder auf Grundlage gebrauchter, hochwertiger Rennradrahmen und neuer Teile zusammenstellen zu können, hat mich total abgeholt. Ich bin immer noch etwas ungläubig, was das neue Bike mit mir und meiner Lust Rad zu fahren gemacht hat. Ich würde sagen, ich hatte vorher einfach keine Ahnung, wie sich Fahrradfahren anfühlen kann: Fast widerstandsloses Fahren bei starker Übersetzung – das ist wie eine Art dahingleitender Schwebezustand.

Der Bock auf mein neues Bike hat dazu geführt, dass ich mich das erste Mal aufgemacht habe, die Umgebung von Lüneburg in einem größeren Radius zu entdecken. Seitdem habe ich eine ganze Menge gesehen, war in der Heide und habe mich in die Elbtalauen verliebt.

Was für Auswirkungen spürst du?

Ich bin der Überzeugung, dass Bewegung sehr wichtig für das körperliche und seelische Wohlbefinden ist. Ich habe mich schon immer gerne bewegt, aber einen wirklichen Schlüsselmoment hatte ich während der Endphase meines Studiums als ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe und sehr viel Zeit im Sitzen vor dem Rechner verbracht habe. Eine eher belastende Phase für mich. Meine Hausärztin hat mir damals verschrieben jeden Tag eineinhalb Stunden spazieren zu gehen.

Ein Rat, für den ich ihr immer noch sehr dankbar bin. Ich habe damals gemerkt, wie gut sich Gedanken ordnen, wenn ich draußen in Bewegung bin und wie wichtig Bewegung für meine innere Balance ist. Man nimmt sich selber und seine Umgebung anders und bewusster wahr. Das empfinde ich nicht nur beim Spazierengehen so, sondern auch beim Radfahren. Radfahren, das ist gleichermaßen gut fürs Abschalten und die innere Ordnung.

Was bemerkt man auf dem Sattel, das einem hinterm Steuer entgeht?

Auf dem Rad nimmt man die Umgebung mit allen Sinnen wahr. Im Auto entgeht einem da doch eine ganze Menge: Gerüche, Temperatur, Geräusche außerhalb des Autos und durch die höhere Geschwindigkeit und die nötige Konzentration auf die Straße natürlich auch im Generellen eine ganze Menge von der Umgebung. Mit dem Rad lässt sich spontan auch einfach irgendwo mal anhalten, wenn man beispielsweise eine Aussicht genießen möchte. Mit dem Auto ist das oft gar nicht so einfach möglich.

Fahrrad oder Auto – wie wird deiner Meinung nach die Zukunft aussehen?

Ich glaube, dass das Radfahren gerade in urbanem Raum immer größere Bedeutung bekommen wird. Platz, Klima und Umwelt, Lautstärke, Gesundheit, Kosten – die Argumente für das Radfahren sind stark und ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen umsteigen. Ich glaube, es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass wir so wie im Moment, nicht weiter machen können.

Ich glaube aber auch, dass sich das verkehrspolitisch manifestieren muss. Seit Jahrzehnten wurde ein Zustand normalisiert, der Autos in der Mobilität den Vorrang einräumt. Ich finde, es ist jetzt an der Zeit, Innenstädte autofrei zu gestalten und den Fahrrädern auch infrastrukturell mehr Raum zu geben – also den bisherigen Normalisierungszustand umzudrehen. Wie das aussieht, wenn dieser Normalisierungszustand durchbrochen wird und sich der den Autos zugesprochene Raum von Fahrradfahrer_innen angeeignet wird, lässt sich bei der Critical Mass beobachten.

Mein Eindruck ist, dass andere Länder oder Städte in der Priorisierung des Radfahrens schon weiter sind. In Utrecht beispielsweise hat gerade das größte Fahrrad-Parkhaus der Welt eröffnet.

Was ist deine früheste Erinnerung ans Fahrradfahren?

Wie ich mit meinen Eltern gelernt habe, Fahrrad zu fahren. Ich hatte ein kleines rotes Fahrrad mit dem Aufdruck „Erlkönig“. Ich weiß noch, wie mich mein Vater darauf angeschoben hat und ich auf einmal fuhr.

Welcher Typ Autofahrer nervt dich am meisten?

Ich weiß nicht, ob sich das als Typ beschreiben lässt. Es sind eher Verhaltensweisen, wie z. B. Rücksichtslosigkeit und Egoismus.

Glaubst du, Greta Thunberg fährt viel Rad?

Keine Ahnung, ob ihre Zeit das noch zulässt. Falls nicht, würde ich ihr das auf jeden Fall nicht zum Vorwurf machen. Für mich schwingt da suggestiv ein bisschen die Frage mit, wie klimaneutral sich Greta Thunberg verhält und diese Debatte finde ich nicht fair. Natürlich bewegt auch sie sich in unserer globalisierten, spätkapitalistischen Welt in Widersprüchen – wie wir alle. Das schmälert aber nicht die Richtigkeit ihres Anliegens und ihrer Forderungen, finde ich!

Wir sind diejenigen, die durch unser Verhalten und unsere bisherige Untätigkeit eine Welt hinterlassen haben, die einen so jungen Menschen aus Angst vor der Zukunft dazu treibt, Verantwortung übernehmen zu müssen, weil es anscheinend sonst zu wenige tun. Wir haben ihr, in einem Maße wie wahrscheinlich niemandem sonst zu verdanken, dass die Klimakrise in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist und die dringend notwendige Beachtung findet.

Greta Thunberg, die noch nicht mal volljährig ist, tritt den mächtigsten Menschen und Institutionen der Welt gegenüber und vertritt dort beharrlich eine wissenschaftlich fundierte, faktenbasierte Wahrheit, die sehr unbequem ist und die niemand hören möchte. Sie beweist dabei soviel Klarsicht, Rückgrat und eine so unkorrumpierbare, bemerkenswerte Haltung.

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