Sascha

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Ich glaube, viel mehr als das, was Sascha reißt, geht nicht. Ich habe ihn kürzlich zufällig kennengelernt. Als er mir erzählte, dass er täglich knapp 60 Kilometer (Hin- und Rückweg) zur Arbeit pendelt, fühlte ich mich erst ganz schön klein, dachte dann aber: Der ist perfekt für unser Projekt. Ich war wirklich beeindruckt von seiner Geschichte. Kein Auto, noch nicht einmal einen Führerschein. Stattdessen 30 Kilometer Arbeitsweg mit dem „normalen“ Rad, fünf Tage die Woche und das seit drei Jahren.

Warum ist das Rad für dich eine Alternative zum Auto?

Das Fahrrad ist schnell, es ist unkompliziert und günstig. Das Fahrrad schont Ressourcen und man bekommt eine gute Fitness. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit ist ebenfalls super. Ich werde die Welt mit meinem Mobilitätsverhalten nicht retten, aber das muss ich ja – Gott sei Dank – auch nicht. Ich kann mich aber selber unabhängig machen und Alternativen entdecken und im vermeintlichen Mangel eine Chance sehen.

Wie oft in der Woche fährst du Rad und wohin?

Zwischen 15 und 20 Stunden, es kann aber auch etwas mehr sein. Der Arbeitsweg führt mich von Lüneburg nach Bleckede. In der Freizeit sitze ich mit meiner Familie ebenfalls viel auf dem Rad. Ein Auto haben wir nicht, wir organisieren unseren Alltag ausschließlich mit dem Fahrrad. Mir ist aber wichtig zu erwähnen, dass wir keine Fundamentalisten sind, sondern einfach Lust an der Bewegung und Unabhängigkeit haben.

Was für Auswirkungen spürst du?

Die physische Leistungsfähigkeit wird natürlich verbessert, aber auch der Kopf wird klar. Stress und Sorgen kann man sich sehr gut aus den Beinen fahren. Ich kann auf dem Rad Erwartungen und Realität besser ausbalancieren und wenn ich nach Hause komme, dann ist in der Regel der Kopf frei. Ich habe auf dem Rad schon etliche Probleme gelöst. Ohne Radfahren wäre ich sicher ein anderer Typ geworden, ich kann mich mit dem Rad unter dem Hintern einfach besser leiden.

Ich bekomme, sobald man die Stadt verlassen hat, einen schönen Blick auf die Natur und kann dabei echtes Glück empfinden.

Was bemerkt man auf dem Sattel, das einem hinterm Steuer entgeht?

Wie schön die Natur ist und das ein gesunder Geist und Körper ein unglaubliches Geschenk sind. Wenn ich im Herbst oder im Winter auf dem Rad sitze, dann ist das sicher nicht immer sehr bequem, aber so ist das echte Leben nun mal. Wenn im Leben immer alles leicht läuft, dann bleibt das Gefühl der Dankbarkeit oft aus.

Ich merke aber auch, wie hoch das Risiko für Fahrradfahrer im Alltag ist. Radfahrer haben definitiv keine Knautschzone und Deutschland bzw. Niedersachsen ist ein Autoland.

Fahrrad oder Auto – wie wird deiner Meinung nach die Zukunft aussehen?

Fahrrad, ist doch wohl klar! In urbanen Räumen ist das Fahrrad einfach das unkomplizierteste Verkehrsmittel. Ich fahre etwas sportlicher Rad und mag auch die Technik, aber das ist im Kern ohne Belang. Das tolle am Radfahren ist sein egalitärer Charakter und da spielt es keine Rolle, ob man einen 20er oder 30er Schnitt fährt bzw. das Rad 800 Euro oder 3000 Euro kostet. Wer ein Rad hat, der ist mobil und wer mobil ist, der erfährt gesellschaftliche Teilhabe. Ich will das Auto und speziell den Autofahrer nicht verteufeln, aber in der Stadt gibt es einfach besserer Alternativen. In einer grüne und ruhige Stadt, wo Menschen Platz und Zeit haben sich zu begegnen, wo der persönliche Stress und Frust nicht auf der Straße ausgelebt wird (gilt auch für Radfahrer), in so einer Stadt möchte ich gerne leben.

Gibt es vielleicht noch eine ganz persönliche, interessante Geschichte?

Ich war in meinem „ersten“ Leben mal KFZ-Mechaniker und ich würde mal behaupten, ich bin der einzige KFZ-Mechaniker ohne Führerschein 😉

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